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Heinrich-Böll-Haus

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Das Heinrich-Böll-Haus in der Katzenstraße
Heinrich-Böll-Haus Lüneburg

Das Heinrich-Böll-Haus (auch Böllhaus) befand sich in der Katzenstraße 2, 21335 Lüneburg. Es war ein Informations-, Kommunikations- und Aktionszentrum für Umwelt-, Entwicklungs- und Sozialpolitik. Es bestand von 1990 bis 2023. Das Heinrich-Böll-Haus war Zuhause und Veranstaltungsraum eines Netzwerks von Initiativen und diente als zentrale Anlaufstelle für engagierte Gruppen aus der Region. Über 20 Initiativen waren im Haus vertreten. Träger war der gemeinnützige Verein Unsere Welt – für Frieden, Umwelt, Gerechtigkeit. Das Haus war finanziell unabhängig und deckte die strukturellen Kosten wie Mieten, Nebenkosten und Telekommunikation durch die Miet- und Untermietverhältnisse mit den jeweiligen Initiativen. Es finanzierte sich zudem über Spenden an den gemeinnützigen Trägerverein.[1]

Namensgebung[edit | edit source]

Namensgeber des Hauses ist Heinrich Böll , einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit und Literaturnobelpreisträger des Jahres 1972. Ein großer Teil Bölls Lebenswerkes ist sein politisches Engagement für Menschenrechte, Frieden und nukleare Abrüstung. Für seine kritische Auseinandersetzung mit der neu gegründeten Bundesrepublik erhielt er 1974 die Carl-von-Ossietzky-Medaille der Liga für Menschenrechte.[2]

Geschichte[edit | edit source]

Die Geschichte des Heinrich-Böll Hauses begann im Jahr 1990 mit dem Ziel, für umwelt-, entwicklungs- und sozialpolitisch engagierte Gruppen ein gemeinsames Zentrum in Lüneburg zu schaffen. Zu diesem Zweck wurde 1991 der Trägerverein Unsere Welt – für Frieden, Umwelt, Gerechtigkeit e.V. ins Leben gerufen, der auch bis heute Träger des Hauses ist. Im August des Jahres 1991 fand der erste Tag der offenen Tür statt. Zu Beginn befanden sich sieben Gruppen im Haus:

  • Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) - Kreisgruppe Lüneburg (ist bis heute im Haus vertreten)
  • Projekt Ein Schiff für die Elbe
  • Eine-Welt Laden und Umweltladen
  • Ökologisches Restaurant
  • terredeshommes - Arbeitsgruppe Lüneburg
  • Neuland - Verein für artgerechte und umweltschonende Nutztierhaltung
  • Lüneburger Initiative gegen Atomanlagen

Des weiteren trafen sich im Haus der Verein Sonnenkorb und die Initiative Eltern und Ärzte gegen Atomenergie, die sich nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl im Jahre 1986 gebildet hatte.[3]

Das Heinrich Böll Haus war die erste nicht-hamburgische Organisation, die in den Zukunftsrat Hamburg aufgenommen wurde.

Ein Generationenwechsel sorgte dafür, dass das Böll-Haus auch bis 2023 Platz für ca. 20 Initiativen bot, seit 2017 sogar über die Grenzen des Hauses hinaus. Die Gruppe der Amikeco-Willkommensinitiative nutzte seit 2016 die Räume des Hauses und ist zu einer festen Größe herangewachsen, bis sie auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein eigenes Kulturhaus eröffnen konnten (siehe mosaique).[4]

30 Jahre Heinrich-Böll-Haus[edit | edit source]

Im Jahr 2021 jährte sich das Bestehen des Heinrich-Böll-Hauses zum 30. Mal. Als Datum wurde hier der erste Tag der offenen Tür im August 1991 genommen. Zu diesem Anlass wurden verschiedene Ideen für Aktionen entworfen: Eine Rallye zu Orten des Engagements, Infostände zur Arbeit der Gruppen im Haus, eine Infoveranstaltung zur Arbeit der Zukunfts-AG oder auch eine Foto-Galerie in der Katzenstraße, so Eva Kern, Eine-Welt Promotorin bei JANUN. Auch ein großes Straßenfest war in der Planung, diese Idee wurde jedoch aufgrund der Corona-Pandemie verschoben.[5]

Steigende Kosten und Räumungsklage[edit | edit source]

Social Media Beitrag #BöllhausErhalten
Solifoto Böllhaus 11. Februar 2023

Aufgrund steigender Ausgaben und Nebenkosten gab das Böllhaus im Februar 2023 bekannt, dass es in seiner Existenz bedroht ist und bat um Spenden an den Trägerverein.[6][7] Zudem gibt es eine Onlinepetition für den Erhalt des Böllhauses.[8][9][10][11] Verschiedene Ratsmitglieder sprachen sich unmittelbar nach der Bekanntgabe für den Erhalt des Hauses aus und würdigten es als „essenziellen Bestandteil der aktiven Lüneburger Stadtgesellschaft“.[6] Im April 2023 ist der Landkreis Lüneburg Fördermitglied im Verein geworden.[12][13] Rechte Parteien haben im Nachgang eine "Demokratie-Erklärung" gefordert von Organisationen, die der Landkreis unterstützt.[14]

Im Mai 2023 hat der Eigentümer der Immobilie eine Räumungsklage gegen den mietenden Verein erlassen, die am 8.9.2023 vor dem Landgericht verhandelt wurde. Zu diesem Anlass fand auch eine Kundgebung des Unterstützer*innen des Böllhauses statt.[15][16] Vor der Verhandlung sind ca. 150 Unterstützer*innen des Böllhauses gekommen, von denen viele auch am Gerichtsprozess teilgenommen haben sowie der Eigentümer Lars Meyer-Ohlendorf.[17] Letzterer lehnte in der Gerichtsverhandlung das Angebot der Mediation ab.[18][19]

Am 8.12.2023 hat das Landgericht entschieden, dass das Böllhaus geräumt werden muss.[20][21][22][23] Die Hausgemeinschaft reagiert mit Trauer und der Suche nach einem neuen Ort für sich und ihr Engagement.[24][25][26] Die im Böllhaus beheimateten Initiativen suchen nach einem neuen Ort für ihr Engagement. Auch das Avenir muss seinen Standort in der Katzenstraße aufgeben.[27] In der Ratssitzung am 20.12.2023 kündigt Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch an, sich weiter für die Initiativen des Böllhauses einsetzen zu wollen und Gespräche bzw. Mediation zwischen dem Eigentümer und der Hausgemeinschaft herstellen zu wollen.[28][29] Die Partei Die Linke bedauert die Gerichtsentscheidung und bietet Unterstützung an.[30]

Beendigung nach 30 Jahren[edit | edit source]

Anfang Januar wurde das Böllhaus restlos geräumt und an den Eigentümer übergeben. Seit diesem Zeitpunkt steht es leer.
In einem Fenster wurden durch den Eigentümer Dokumente ausgehängt. In der Nacht vom 20. auf den 21. Januar wurde eine Scheibe beschädigt, was an den Staatsschutz weitergegeben wurde.[31]

Gruppen[edit | edit source]

Bauwerk[edit | edit source]

Das Gebäude des Böllhauses in der Katzenstraße 2 steht unter Denkmalschutz. Auf der Rückseite ist folgender Spruch zu lesen: "Wo der Herr nicht das Haus bauet, so arbeiten umsonst, die daran bauen".
Bei dem Gebäude handelt es sich um ein zweigeschossiges Wohnhaus in Backsteinbauweise, das giebelständig zur Straße steht. Die Giebelseite ist etwa neun Meter breit. Der Giebel besaß ursprünglich Rudimente einer Lisenengliederung, was auf eine Entstehungszeit des Hauses in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts oder davor deutet. Der rückseitige Giebel in Fachwerkbauweise wies die Jahreszahl 1677 als Datierung auf. Das Erscheinungsbild der Fassade bestimmen Gestaltungselemente des 18., 19. und 20. Jahrhunderts. Ein durchgreifende Veränderung des Hauses dürfte im 18. Jahrhundert erfolgt sein. Darauf deutet eine auf 1757 datierte Sandsteinkartusche in Rocailleform über dem Eingang. Die zweiflügelige Eingangstür in einem Rundbogenportal zeichnet sich durch eine seitliche Pilasterrahmung und ein üppig ornamentiertes Oberlicht aus. Ihre geschwungenen Profilleisten gehören zu den am aufwändigsten ausgebildeten Barocktüren in Lüneburg. Im Keller hat sich unter dem nördlichen Hausbereich ein quer zum First liegendes Tonnengewölbe mit etwa 2,20 Metern Scheitelhöhe erhalten. Im Südwesten besteht ein längs gelegenes Tonnengewölbe. Das Dach wurde 1956 beim Einbau einer Gaube neu errichtet. Das Gebäude ist das einzige Baudenkmal älteren Ursprungs in der Katzenstraße.[1] Laut dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege besteht aus geschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse am Erhalt des Gebäudes.[32]

Projekte[edit | edit source]

Kontakt[edit | edit source]

  • Heinrich-Böll-Haus Lüneburg
  • Katzenstraße 2, 21335 Lüneburg
  • Telefon: 04131 410 93
  • E-Mail: info@boellhaus.de

Weblinks[edit | edit source]

Einzelnachweise[edit | edit source]

  1. Website des Heinrich-Böll-Hauses: About Us o.D. abgerufen am 04.09.2021
  2. Wikipedia: Heinrich Böll o.D. abgerufen am 04.09.2021
  3. Nicht-öffentliches Dokument, das freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde
  4. Magazin des VEN: Positionen - Eine Welt in Niedersachsen. Ausgabe 2/2017. S.10
  5. Stadtlichter - Das Magazin für Lüneburg, Uelzen & Winsen. Ausgabe 5/2021. S.32
  6. 6,0 6,1 Landeszeitung (06.02.2023): Mieterhöhung: Lüneburger Heinrich-Böll-Haus bangt um seine Zukunft
  7. Hamburger Abendblatt (18.04.2023): Lüneburger starten Initiative für das Böll-Haus
  8. Change.org: Böll-Haus Lüneburg erhalten!
  9. Lüne-Blog (07.02.2023): Lüneburg: Heinrich-Böll-Haus bedroht – Aufruf zur Unterstützung
  10. Lüne-Blog (12.02.2023): Erhalt des Böll-Hauses: Beteiligte Gruppen und Initiativen rufen auf zur Unterstützung
  11. stadtlichter (03/2023): Solidarität für das Böll-Haus (S. 12)
  12. Landeszeitung (24.04.2023): Landkreis Lüneburg wird Fördermitglied beim Heinrich-Böll-Haus
  13. LG heute (25.04.2023): Dubiose Mitgliedschaft
  14. Landeszeitung (15.06.2023): Demokratieklausel für Vereine? Darum diskutieren AfD und Linke im Kreistag über Extremismus
  15. Hamburger Abendblatt (08.09.2023): Böll-Haus vor Räumung: "Wäre herber Verlust für Lüneburg"
  16. Lüne-Blog (04.09.2023): Böll-Haus: Räumungsklage vor dem Landgericht Lüneburg – Aufruf zur Kundgebung am 8. September 2023
  17. Landeszeitung (09.09.2023): Betreiber und Besitzer des Böll-Hauses stehen zu dessen Idealen - warum sie sich trotzdem vor Gericht streiten
  18. Lüne-Blog (09.09.2023): Böll-Haus: Räumungsklage vor dem Landgericht Lüneburg – Entscheidung fällt Ende Oktober 2023
  19. Stadtlichter (Oktober 2023): Verhandlung zur Räumung des Heinrich-Böll-Hauses (S. 14)
  20. Landeszeitung (08.12.2023): Urteil am Landgericht: 20 Initiativen müssen das Lüneburger Heinrich-Böll-Haus räumen
  21. Lünepost (09.12.2023): Böll-Haus: Landgericht bestätigt Räumung
  22. Lüne-Blog (10.12.2023): Heinrich-Böll-Haus Lüneburg: Trägerverein muss Haus räumen – Forderungen des Eigentümers
  23. Lüneburg aktuell (09.12.2023): Reden, Tun, Böll-Haus
  24. Lüne-Blog (15.12.2023): Böll-Haus Lüneburg: Trauer um „Ort der Möglichkeiten” – Initiativen wollen zusammenbleiben
  25. Taz (27.12.2023): Krach in der Katzenstraße
  26. Stadtlichter (1/2024): Heinrich-Böll-Haus muss geräumt werden (S. 9)
  27. Landeszeitung (16.12.2023): Anna‘s Café, Chandler‘s, Avenir: Bewegung in Lüneburgs Café-Landschaft
  28. Landeszeitung (20.12.2023): Räumung des Böll-Hauses: Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch will sich weiter um Lösung bemühen
  29. Lüne-Blog (21.12.2023): Heinrich-Böll-Haus Lüneburg: OB Kalisch will Mediation vorschlagen
  30. Die Linke Kreisverband Lüneburg: Pressemitteilung: Gerichtsurteil zum Heinrich-Böll-Haus
  31. Lünepost (24.01.2024): Ein Fall für den Staatsschutz
  32. Wikipedia: Wohnhaus Katzenstraße 2
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