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Wasserviertel

From Lünepedia

Wasserviertel
Bewohner*innen ca. 900
Lage Innenstadt
Entstehungszeit 13. Jahrhundert



Das historische Wasserviertel ist einer von vier Siedlungsplätzen, welche die Entwicklung der Stadt Lüneburg maßgeblich mitgeprägt haben. Die aus Marktviertel, Sandviertel, Sülzviertel und Wasserviertel entstandene Form der Stadt blieb bis zur Ausweitung der Stadtfläche im 19. Jahrhundert bestehen und ist auch heute noch sichtbar.[1] Jedes der Viertel hatte seine spezifischen Aufgaben und einen Kirchenbau als Wahrzeichen. Die dem Wasserviertel zugeordnete Kirche ist die im 15. Jahrhundert erbaute Nicolaikirche.[2] Die Bauzeit der Nicolaikirche stellt zugleich den Zeitraum dar, in dem das Leben im Wasserviertel pulsierte. Die Umgebung, in der zur damaligen Zeit gehandelt, getrunken, gegessen und gefeiert wurde, galt als beliebter Treffpunkt und ist auch heute noch ein Ort, in dem viele Menschen zum Essen, Trinken und Feiern beisammen sind.[3]

Lage[edit | edit source]

erhaltene Barockfassade des Alten Kaufhauses

Das historische Wasserviertel erstreckt sich in der Innenstadt rund um den Alten Hafen und stellt einen Raum dar, in dem früher wie heute buntes Treiben herrschte und das Leben stattfand. Mit Plätzen wie dem Stintmarkt und damit auch einigen Gaststätten und Cafés, ist das Wasserviertel noch immer von großer Bedeutung für Lüneburg. Zwei Wahrzeichen des Viertels sind der Alte Kran, der mehrfach restauriert und umgestaltet wurde, und das Alte Kaufhaus, dessen Nennung auf die Anfänge des 14. Jahrhunderts zurückgeht. Aufgrund einer Brandstiftung im Jahr 1959 ist heute jedoch nur noch die Barockfassade erhalten.[4]

Historischer Hintergrund[edit | edit source]

Entstehung des Viertels[edit | edit source]

Die Entstehungszeit des Wasserviertels kann nicht genau festgelegt werden[5]. Es liegt jedoch nahe, die Entstehung der Siedlung rund um den Hafen, zwischen Marktviertel und Ilmenau, ungefähr auf das 13. Jahrhundert zurückzuführen.[6]

Sicherlich entscheidend für die Entstehung des Wasserviertels war der durch Mühlenbauten gegebene Aufstau der Ilmenau und die Regulierungsmöglichkeiten der Wasserführung des Flusses, die sich daraus entwickelten. Somit wurde die Ilmenau unterhalb Lüneburgs immer weiter zur brauchbaren Wasserstraße entwickelt.[7]

Lüneburg als zentraler Handelsplatz[edit | edit source]

Auch die Zerstörung der Rivalin Bardowieck (heute Bardowick) durch Heinrich den Löwen trug mitunter zur Entstehung des Viertels bei, denn Lüneburg war dem wenige Kilometer nördlich gelegenen Bardowick trotz Saline für eine Zeit untergeordnet. Der alte und bedeutende Handelsplatz bescherte Bardowick großen Reichtum. Dieser entstand auch dadurch, dass derzeit keine anderen Handelszentren geduldet wurden. Erst mit Heinrich dem Löwen änderte sich dies, denn als Bardowick sich ihm im Jahr 1189 nicht unterordnen wollte, zerstörte dieser den Ort. Folgend bekam die Stadt Lüneburg das Stadtrecht und entwickelte sich damit zum zentralen Handelsplatz der Gegend.[8]

Der Alte Hafen als Herzstück des Viertels[edit | edit source]

Alter Hafen

Das Kernstück des alten Wasserviertels stellte der mittelalterliche Hafen dar, der spätestens im 12. Jahrhundert entstand.[9][10] Dieser gab dem Viertel seinen Namen und kennzeichnete dessen Relevanz. Alle Güter des täglichen Bedarfs wurden in der Gegend rund um den Hafen umgeschlagen. Damit auch die Stadtherren daran mitverdienen konnten, wurde um die Stadt ein Wall gebaut – die Lüneburger Landwehr.[11] Durch diese dicht bepflanzten, unpassierbaren Erdwälle wurden reisende Kaufleute zu einem Umweg durch Lüneburg gezwungen.[12] Lüneburgs Stapelrecht, welches alle durch Lüneburg reisenden Kaufleute dazu verpflichtete, ihre Waren im Alten Kaufhaus zu lagern und zu verkaufen, trug maßgeblich zur Entwicklung des Handelsverkehrs bei, welcher wiederrum das Treiben im Wasserviertel bestimmte.[13] Bevor 1741 das alte Kaufhaus entstand, befand sich seit 1300 an dessen Stelle das sogenannte Heringshaus, in dem auch gehandelt wurde.[14] Im 15. Jahrhundert, in der Blütezeit Lüneburgs, verließen täglich rund 1000 Schiffe den Hafen.[15]

Mit Beginn des Eisenbahnverkehrs verlor der Alte Hafen seine wirtschaftliche Bedeutung, die Gegend des Viertels gilt jedoch immer noch als beliebter Treffpunkt.[16]

Bewohner*innen[edit | edit source]

Blick durch die Koltmannstraße auf die St. Nicolai Kirche

Früher[edit | edit source]

Im Mittelalter und noch lange danach, spielte sich das Leben im Wasserviertel draußen auf der Straße ab. Im Viertel lebten all diejenigen, denen der Salzhandel ein Auskommen bot. Dazu gehörten unter anderem Flussschiffer, Kaufleute oder Handwerker.[17] Zudem wohnten im Viertel auch die Fassmacher, die durch ihre Arbeit die wichtigen Container des Mittelalters anfertigten. Als eine typische Handwerkergasse des Wasserviertels galt vor 400 Jahren zum Beispiel die Koltmannstraße.[18]

Neben dem für Lüneburg zentralen Salzhandel und den in diesem Bereich arbeitenden Menschen, waren auch Brauereibetriebe und deren Betreiber*innen im Wasserviertel von großer Präsenz. Von den circa 80 Brauereien befanden sich 1733 noch immer 24 allein im Wasserviertel.[19]

Heute[edit | edit source]

Heute ist der Altersdurchschnitt im Viertel deutlich niedriger als in vergleichbaren anderen Vierteln. Unter den Bewohner*innen finden sich Inhaber*innen des vielfältigen Einzelhandels, Gewerbetreibende, Alteingesessene aber auch junge Familien.[20] Insbesondere wohnen im Wasserviertel auch diejenigen, die sich mit viel Arbeit und Mühe den Traum vom „Eigenheim mit Geschichte“[21] erfüllen wollen.



Gebäude[edit | edit source]

Viele der Häuser im Wasserviertel erzählen vom Reichtum der alten Hansestadt.[22] Der niederdeutsche Backsteinbau des 14. und 15. Jahrhunderts prägt noch heute das gesamte Stadtbild und somit auch das Wasserviertel, da der Krieg die Stadt von der Vernichtung aussparte.[23] Die Bauten des ehemals von der Gotik bestimmten Stadtbildes wurden mit den Jahren immer weiterentwickelt. Noch heute können in Lüneburg die barocken Utluchten entdeckt werden, welche geschlossene Dielengeschoßflächen auflockerten.[24] Die bodenständigen Erkervorbauten wurden im 17. Jahrhundert vor einige Häuser Lüneburgs gesetzt, um die Dielen mit Licht zu füllen.[25] Aufgrund der Salzgewinnung und damit auch der Ausbeutung des Bodens kam es zu geologischen Absenkungen, unter denen einige Bauten Lüneburgs litten.[26] Heute gehört ein großer Teil der Stadt zu dem sogenannten Senkungsgebiet. Ursprünglich sollten die von der Senkung betroffenen Bauten abgerissen werden. Durch die Initiative einiger Bürger*innen wurde das Viertel jedoch zu einem großen Teil erhalten. Heute gilt es als Glücksfall, noch ein altes Haus im Wasserviertel zu ergattern.[27]

Sanierungsgebiet Wasserviertel[edit | edit source]

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räumliche Begrenzung des Wasserviertels

Trotz vieler Bemühungen sind mit der Zeit eine Reihe an städtebaulichen Maßnahmen im Wasserviertel nötig geworden. Damit das historische Ortsbild auch noch für die nächsten Generationen erhalten bleibt, wurde das „Sanierungsverfahren Wasserviertel“ von der Stadt Lüneburg eingeleitet.[28] Das 9,4 Hektar umfassende Sanierungsgebiet, welches rund 90 Baudenkmale beinhaltet, wurde im Jahr 2007 auf 15 Jahre festgelegt und in die Städtebauförderung aufgenommen. Der größte Teil des Gebiets liegt westlich des alten Ilmenauhafens. Die räumlichen Begrenzungen des Sanierungsgebiets sind denen des Wasserviertels identisch.[29]

Für ein zukunftsfähiges Viertel und die Erhaltung der historischen Bausubstanz wurden durch das Verfahren unter anderem Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen gefördert. Dazu zählen zum Beispiel die Modernisierung von privaten Eigentümern wie dem Alten Kaufhaus Hotel, dem Hotel Bremer Hof, dem Viskulenhof und dem Hotel Einzigartig. Zudem wurden einige Straßen sowie die Grünanlage Schifferwall im Zuge der Maßnahmen saniert. Insgesamt konnte ein Teil des Sanierungsgebietes erneuert und saniert werden, seit Dezember 2016 ist die Sanierung jedoch ausgefördert und es werden keine Fördermittel mehr in diesem Bereich eingesetzt.[30]

Wasserviertel-Initiative e.V.[edit | edit source]

Treffpunkt der Initiative: Das Hotel Bremer Hof

Damit die Menschen im Wasserviertel die Möglichkeit haben, sich zu vernetzen, kennenzulernen, gegenseitig zu helfen und die Lebensqualität im Viertel zu verbessern, initiierten einige Bewohner*innen des Viertels 2009 die Wasserviertel-Initiative e. V., die als gemeinnütziger Verein eingetragen ist.[31][32] Das Miteinander soll vor allem in den Bereichen Kultur, Soziales und Ökologie vorangetrieben werden. Neben Stadtteilfesten organisiert die Initiative unter anderem Ausstellungen, wie die derzeit noch aktive Dauerausstellung „Menschen im Viertel“. Der Verein möchte somit das Bewusstsein für den Charme des Viertels aufrechterhalten.[33]

Mitwirken[edit | edit source]

Jeden ersten Dienstag im Monat kommen die Mitglieder des Vereins bei einem Stammtisch im Hotel Bremer Hof zusammen und besprechen alle Neuigkeiten. Willkommen sind alle Menschen, die im Viertel wohnen und Lust haben, an Aktivitäten und Veranstaltungen mitzuwirken.

Teil der Ausstellung "Menschen im Viertel"

Weblinks[edit | edit source]

Einzelnachweise[edit | edit source]

  1. Lünepedia: Lüneburg abgerufen am 18.08.2021.
  2. vgl. Joachim Matthaei: Lüneburg (Reprint 2020) S.7.
  3. Lüneplaner: Esskultur im Wasserviertel. abgerufen am 15.08.2021.
  4. Lüneplaner: Esskultur im Wasserviertel. abgerufen am 15.08.2021.
  5. vgl. Joachim Matthaei: Lüneburg (Reprint 2020), S.7.
  6. Wikipedia: Lüneburg. abgerufen am 14.08.2020.
  7. vgl. Joachim Matthaei: Lüneburg (Reprint 2020), S.7.
  8. Wikipedia: Lüneburg. abgerufen am 14.08.2020.
  9. vgl. Joachim Matthaei: Lüneburg (Reprint 2020), S.7.
  10. Hansestadt Lüneburg: Sanierungsbroschüre Wasserviertel. abgerufen am 18.08.2021, S.17.
  11. NDR: Unsere Geschichte: Hausbesuch - Wasserviertel Lüneburg. abgerufen am 14.08.2021.
  12. Wikipedia: Lüneburger Landwehr. abgerufen am 14.08.2021.
  13. NDR: Unsere Geschichte: Hausbesuch - Wasserviertel Lüneburg. abgerufen am 14.08.2021.
  14. Hansestadt Lüneburg: Sanierungsbroschüre Wasserviertel. abgerufen am 18.08.2021, S.17.
  15. NDR: Unsere Geschichte: Hausbesuch - Wasserviertel Lüneburg. abgerufen am 14.08.2021.
  16. Lüneplaner: Esskultur im Wasserviertel. abgerufen am 15.08.2021.
  17. NDR: Das Wasserviertel. abgerufen am 18.08.2021.
  18. NDR: Unsere Geschichte: Hausbesuch - Wasserviertel Lüneburg. abgerufen am 14.08.2021.
  19. Lüneplaner: Esskultur im Wasserviertel. abgerufen am 15.08.2021.
  20. Initiative Wasserviertel [1] abgerufen am 14.08.2021.
  21. NDR: Das Wasserviertel. abgerufen am 18.08.2021.
  22. NDR: Unsere Geschichte: Hausbesuch - Wasserviertel Lüneburg. abgerufen am 14.08.2021.
  23. vgl. Joachim Matthaei: Lüneburg (Reprint 2020) S.5f.
  24. vgl. ebd. S.20.
  25. Lüneburg Info: Westliche Altstadt. abgerufen am 14.08.2021.
  26. Lünepedia: Senkungsgebiet Senkungsgebiet. abgerufen am 17.08.2021.
  27. NDR: Unsere Geschichte: Hausbesuch - Wasserviertel Lüneburg. abgerufen am 14.08.2021.
  28. Hansestadt Lüneburg: Sanierungsgebiet Wasserviertel. abgerufen am 14.08,2021.
  29. Hansestadt Lüneburg: Sanierungsbroschüre Wasserviertel. abgerufen am 18.08.2021, S.17.
  30. Hansestadt Lüneburg: Sanierungsgebiet Wasserviertel. abgerufen am 14.08,2021.
  31. Hansestadt Lüneburg: Sanierungsbroschüre Wasserviertel. abgerufen am 18.08.2021, S.18
  32. Initiative Wasserviertel [2] abgerufen am 14.08.2021.
  33. Initiative Wasserviertel [3] abgerufen am 14.08.2021.