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St. Nicolai

From Lünepedia

Der Blick auf die St. Nicolai-Kirche von der Lüner Straße aus

Die St. Nicolai-Kirche ist neben der St. Johannis und der St. Michaelis eine der drei Hauptkirchen Lüneburgs. Sie ist die jüngste und kleinste der drei Kirchen. Die dreischiffige, gotische Backstein-Basilika wurde von 1407 bis 1440 erbaut. Ermöglicht wurde dieses Vorhaben mithilfe der Finanzierung durch reiche Patrizier-Familien und die Lüneburger Schiffer-Gilde. Auf ihr Bemühen hin, wurde St. Nicolai im ehemaligen Wasserviertel der Stadt, in der Nähe des Marktplatzes errichtet. Sie befindet sich auf halbem Weg zwischen dem Stintmarkt und dem alten Lüneburger Rathaus.

St. Nicolai ist dem heiligen Nikolaus von Myra geweiht, welcher unter anderem als Heiliger der Schiffer und Händler gesehen wird. Die Kirche überstand beide Weltkriege unbeschadet und bildet somit einen wichtigen Bestandteil des Stadtbildes Lüneburgs. Ursprünglich als katholische Kirche errichtet, werden in St. Nicolai seit der Reformation in Lüneburg im Jahr 1530 evangelische Gottesdienste abgehalten. [1]

Öffnungszeiten[edit | edit source]

Die St. Nicolai-Kirche ist Teil des Projektes der "offenen Kirche" und ermöglicht somit seinen Besuchern verlässliche Öffnungszeiten über das gesamte Jahr hinweg. Von Montag bis Freitag ist die Kirche von 10 bis 17 Uhr geöffnet, an Samstagen von 11 bis 17 Uhr. Sonntags öffnet St. Nicolai seine Türen für Besucher bis 15 Uhr.

Gottesdienste werden in der Kirche jeden Sonntag um 10 Uhr, bzw. am letzten Sonntag des Monats um 11 Uhr abgehalten. Gottesdienste zu besonderen Themen oder für spezielle Bevölkerungsgruppen weichen von diesen Zeiten ab. Die Termine für solche Veranstaltungen sind über die Website der St. Nicolai-Kirche einsehbar.[1]

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Lage der St. Nicolai Kirche - Lüner Straße 15

Geschichte[edit | edit source]

Die St. Nicolai-Kirche wurde 1407 als einfache Kapelle im Herzen des ehemaligen Wasserviertels der Stadt Lüneburg errichtet. Finanziert wurde der Bau dieser Kapelle nicht von der römisch-katholischen Kirche, sondern von mehreren einflussreichen Patrizier-Familien und der Nicolai-Gilde der Schiffer, welche im Wasserviertel an der Ilmenau ansässig waren.

1409 wurde die Kapelle als erster, von der Stadt initiierter Sakral-Bau geweiht. Bereits 1420 beschloss man, die Kapelle um Chor und Langhaus zu erweitern, gefolgt von der Errichtung des ersten Turmes im Jahr 1460.

Die Bauarbeiten am Turm wurden 1587 abgeschlossen und er erhielt eine Haube aus Kupfer im Stil der Renaissance.

Über die Zeit traten Schäden an Baumaterial und Fundament auf. Deshalb war St. Nicolai 1760 gezwungen, aufgrund einer zunehmenden Schieflage des Kirchturms das Läuten der Glocken einzustellen. In den darauffolgenden Jahrzehnten verschlechterte sich der Zustand des Turms weiter, bis er schließlich 1830 abgerissen werden musste.

Um den fortschreitenden Verfall St. Nicolais aufzuhalten, gründete der damalige Küster Ernst Klingemann 1843 die Bürgerinitiative "Rettet St. Nicolai". Ihr gelang es, mithilfe von Spendengeldern, die Restaurierung und Erweiterung der Kirche zu finanzieren. Um dem Küster für seinen Einsatz zu danken, verewigte St. Nicolai ihn einige Jahre später auf einem Gedenkstein im Südschiff der Kirche.

So begannen die Restaurierungsarbeiten an St. Nicolai 1864 unter Bauleitung des Architekten Wilhelm Hase. Man renovierte das Kirchenschiff, fügte außen Strebebögen an den Seiten hinzu und schloss 1896 den Wiederaufbau des Turms ab. Am Ostersonntag desselben Jahres war es der Kirche möglich, ihren ersten Gottesdienst nach insgesamt 25 Jahren andauernden Bauarbeiten abzuhalten.

1899 ergänzte man die Kirchenschätze St. Nicolais durch die spät-romantische "Furtwängler und Hammer"-Orgel mit 49 Registern.

1977 beschädigte ein Säure-Anschlag die Altartafel "Abraham und Melchisedeck".

Im Jahr 1987 ergänzte man zwei neue Fenster in den Chor von St. Nicolai ein. Sie wurden nach Entwürfen des Künstlers Johannes Schreiter angefertigt.

Die "Furtwängler und Hammer"-Orgel durchlief seit ihrem Einbau in St. Nicolai mehrfache Veränderungen und Umbauarbeiten, um sie an die zeitgenössischen Trends anzupassen. Von 2001 bis 2003 wurde die historische Orgel deswegen in ihren Originalzustand zurückversetzt.

2009 feierten die Kirchengemeinde St. Nicolai und die Hansestadt Lüneburg als Patron der Kirche ihren 600. Jahrestag.[2]

Baustil[edit | edit source]

Die Deckenstruktur der St. Nicolai Kirche

Die Baumeister, welche St. Nicolai errichteten, sind bis heute unbekannt. Die dreischiffige Basilika im Stil der Backsteingotik wurde nach dem Vorbild der St. Marien-Kirche in Lübeck errichtet, der ersten Backsteinbasilika Norddeutschlands. St. Nicolai ist eine Querschifflose Pfeilerbasilika. So wird der Innenraum von einer Reihe achteckiger Pfeiler getragen und von außen durch massive Backsteinstützen stabilisiert. Das Mittelschiff der Basilika ist 7,20 Meter breit, 28,7 Meter hoch und 35 Meter lang. Von außen betrachtet erkennt man, dass das Mittelschiff um einige Meter über die Seitenschiffe hinausragt. Dieses Merkmal ist charakteristisch für Backsteinbasiliken. Anders als bei verwandten Bauten werden die Obergeschosswände des Mittelschiffs allerdings durch mehrere Maßwerkfenster unterbrochen, was St. Nicolai deutlich von St. Johannis und St. Michaelis unterscheidet. Das vierjochige Langhaus der Kirche ist 57 Meter lang.

Die Frontansicht des Kirchturms der St. Nicolai Kirche

Turm[edit | edit source]

Der Kirchturm von St. Nicolai gehört mit 92,7 Metern zu den höchsten in Niedersachsen. Betrachtet man ihn etwas genauer, so erkennt man ein weiteres Merkmal von St. Nicolai: Der Turm trägt nur auf drei von vier Seiten eine Turmuhr, denn die letzte Seite wird durch ein Treppenhaus eingenommen. Der ursprüngliche Turm wurde 1460, rund 20 Jahre nach Vollendung des Kirchenschiffs errichtet. Allerdings stellte man den Bau bereits in 50 Metern Höhe ein und ergänzte das Dach erst 1587.

Nach Vollendung des Turms traten immer wieder Bauschäden am Turm und Mittelschiff auf, weshalb die Kirche 1760 gezwungen war, das Läuten der Glocken aufgrund der zunehmenden Schieflage des Turms einzustellen. 1811 zerstörte dann ein Blitzeinschlag die Spitze des Kirchturms. Die darauffolgenden Ereignisse besiegelten das Schicksal des Turms endgültig: Zwischen 1818 und 1830 verstarben in rascher Folge Königin Charlotte (†1818), ihr Ehemann König George III (†1820) und deren Sohn, König George IV (†1830), welche über Lüneburg herrschten. Das ausgiebige Trauergeläut, welches auf jeden dieser Tode folgte, sowie die damit verbundenen Vibrationen führten zu schweren, strukturellen Schäden, weshalb 1830 mit dem Abriss des Kirchturms begonnen wurde. Man entschied sich, den Turm von 1869 bis 1895 auf dem Fundament des alten Turmes neu zu errichten. Dieser Turm ist bis heute erhalten.[3]

Krypta[edit | edit source]

Ein weiteres, besonderes Baumerkmal der St. Nicolai-Kirche ist ihre Krypta. Für Backsteinbasiliken war das Anlegen einer Krypta eher ungewöhnlich, weshalb dieses Merkmal besonders hervorsticht. Die Krypta wurde 1409 geweiht und ist somit der wohl älteste, noch im Original erhaltene Teil der Kirche. Das Gewölbe wird von einer zentralen Säule in der Mitte des sechseckigen Raumes gestützt. Von dieser Säule strahlen 12 Gewölberippen in die Ecken des Raumes ab. Sie werden als Sinnbild für die Jünger Jesu interpretiert. Der Eingang zur Krypta, welche auch als "Raum der Stille" bezeichnet wird, befindet sich im Chorumgang. Dieser Name entspringt einer Reihe von Kirchenfestivals. Auf großen Glaubensveranstaltungen stellen die Veranstalter ein sogenanntes "Zelt der Stille" zur Verfügung, einen Ort, an dem Besucher Abstand vom Trubel der Veranstaltung nehmen können. So möchte die St. Nicolai-Kirche mit dem "Raum der Stille" seinen Besuchern und Mitgliedern einen Ort zur inneren Einkehr zu Verfügung stellen.

Glocken[edit | edit source]

Die St. Nicolai-Kirche besitzt aktuell (Stand 2021) fünf verschiedene Kirchenglocken.

  • Die "Marienglocke", welche 1491 von dem Glockengießer Gert van Wou gefertigt wurde. Sie ist die Schwesternglocke der "Gloriosa", welche aktuell im Erfurter Dom läutet. Mit einem Durchmesser von 1,90 Metern und einem Gewicht von 4,2 Tonnen ist sie die Hauptglocke der St. Nicolai-Kirche. Ursprünglich gehörte die "Marienglocke" zum Inventar der St. Lamberti-Kirche, ging jedoch später in den Besitzt von St. Nicolai über.
  • Die "Schifferglocke" wurde im Jahr 2009 von der Glockengießerei Rincker im hessischen Ort Sinn gegossen. Sie wiegt 2,6 Tonnen und läutet aktuell als Friedensglocke.
  • Die "Katharinenschelle" hing ebenso wie die "Marienglocke" ursprünglich in St. Lamberti. Sie wurde 1445 gegossen und läutet nun den Stundenschlag in St. Nicolai.
  • Ergänzt wird sie durch die "Franziskusschelle". Diese 1516 gefertigte Glocke entstammt der Lüneburger St. Marien-Kirche und schlägt den Viertelstundenschlag.
  • Schließlich besitzt St. Nicolai eine weitere Glocke, die "Fischhausen-Glocke". Sie stammt aus der alten, ostpreußischen Ortschaft Fischhausen, wiegt etwa eine Tonne und wurde im Jahr 1674 gegossen.

Vor Abriss des Turmes im Jahr 1830 sah sich St. Nicolai gezwungen, seine Glocken zu verkaufen. Allerdings erhielt die Kirche 1860 durch den Abriss von St. Lamberti neben einer Vielzahl an Kunstschätzen aus dem Inventar der alten Kirche auch 5 neue Glocken. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges im Jahr 1914 wurden viele dieser Glocken konfisziert, um das Metall der Glocken in der Munitionsproduktion zu verwenden. Einige blieben St. Nicolai jedoch erhalten, darunter die "Marienglocke", welche vermutlich aufgrund ihrer Verwandtschaft zur "Gloriosa" in Erfurt überlebte, sowie die "Katharinenschelle". Als Entschädigung stellte man der Kirche eine neue Glocke, die "Fischhausen-Glocke", zur Verfügung. Die alte Viertelstundenglocke aus dem Jahr 1587, welche ursprünglich in St. Nicolai läutete, wurde 1830 von einem Glockenfriedhof gerettet und läutet nun im Dach des Martin-Luther-Gemeindehauses in Lüneburg.[3]

Orgel[edit | edit source]

Die historische Orgel der St. Nicolai-Kirche

Einer der wertvollsten Kirchenschätze von St. Nicolai ist die spätromantische "Furtwängler und Hammer"-Orgel, welche die Kirche Ende des 19. Jahrhunderts erhielt. Nach 1930 wurde sie mehrmals umgebaut, um sie an die damaligen Musik-Stile anzupassen. Mit Beginn des 21. Jahrhunderts gründete St. Nicolai den "Orgelbau-Verein St. Nicolai", welcher in Zusammenarbeit mit der baden-württembergischen Firma "Orgelbau Lenter" die Orgel in ihren ursprünglichen Zustand von 1899 zurückversetzte. Mit ihren 49 Registern wurde die Orgel konzipiert, um ein möglichst großes Orchester nachzuahmen. Dabei sind 12 dieser Register für Pedal, 15 für Manual I (das Hauptwerk), 10 für Manual II und weitere 12 für Manual III (das Schnellwerk) gedacht. Die Orgel umfasst 3000 Pfeifen. 2000 dieser Pfeifen sind aus Metall, 1000 aus Holz. Die größte Pfeife dieser Orgel ist ebenfalls aus Holz gefertigt und in etwa 10 Meter lang.

Uhrwerk[edit | edit source]

Das Uhrwerk in St. Nicolai, welches die drei Turmuhren antreibt, wurde 1895 als "Betglocken Werk" eingebaut. Mitte des 20. Jahrhunderts (1967) wurde es auf Anweisung des damaligen Kirchenvorstandes auf elektrischen Betrieb umgestellt. Doch 1995, über fünfundzwanzig Jahre später, nahm man das alte, manuelle Uhrwerk wieder in Betrieb.

Mittlerweile werden die Gewichte, welche die Uhren antreiben, mit Motoren aufgezogen, sodass dieser Vorgang nicht wie ursprünglich konzipiert per Hand durchgeführt werden muss. Durch den weitverbreiteten Gebrauch von Digital- oder Funkuhren wird dem Uhrwerk von St. Nicolai im 21. Jahrhundert ein großer historischer Wert zugesprochen. Organisiert man über die Lüneburger Turmführergilde eine Führung durch den Kirchturm von St. Nicolai und erklimmt seine 239 Stufen, kann man sowohl die Struktur, als auch die Funktionsweise dieses Uhrwerks nachvollziehen.[3]

Kirchenschätze[edit | edit source]

St. Nicolai beherbergt eine Reihe historischer Kirchenschätze, welche durch die Auflösung der ehemals vierten Hauptkirche Lüneburgs, der St. Lamberti-Kirche, ergänzt wurden. Die Schätze von St. Nicolai reichen von alten Altären und einem spätmittelalterlichen Taufbecken bis hin zu einer Vielzahl an sogenannten Paramenten, kunstvoll gearbeiteten Textilien.

Der Lamberti-Altar im Chor von St. Nicolai

Lamberti-Altar[edit | edit source]

Der Lamberti-Altar entstammt der gleichnamigen St. Lamberti-Kirche, welche 1861 abgerissen wurde. Seit 1869 befindet sich der Altar im Besitz von St. Nicolai und ist im Binnenchor zu finden. Dabei handelt es sich um einen zentralen Schrein mit beweglichen Flügeln auf beiden Seiten. Sowohl das Mittelstück, als auch die Flügel sind mit Szenen aus dem alten und neuen Testament geschmückt. Abhängig von den Botschaften des Kirchenjahres werden Mittelstücke und Innen- oder Außenseiten der Flügel gezeigt. Die Innenseiten der Flügel und das Mittelstück des Altars sind mit Schnitzereien verziert, die Außenseiten der Flügel mit Malereien.

In der Karwoche, der Woche vor Ostern, sind beide Flügel des Altars vollständig geschlossen. Die so präsentierten Außenseiten zeigen die Opferung Isaacs durch Abraham und den Tod Jesu am Kreuz.

Die "erste Wandlung" ist der Zustand des Altars in der Passionszeit, dem Zeitraum von Aschermittwoch bis Karsamstag. Hier sind die Flügel nur einmal geöffnet. Sie zeigen vier Bilder mit den Aposteln Simon und Judas Thaddäus und des heiligen Lambertus. Alle diese Bilder sind zwischen 1450 und 1456 durch den Maler Hans Bornemann entstanden.

In der zweiten Wandlung sind die Flügel des Altars vollständig geöffnet. Dies ist der Zustand von der Osternacht an bis zum nächstjährigen Aschermittwoch. Auf den Schnitzereien im Inneren wird das Leben von Jesus Christus dargestellt.

Taufbecken[edit | edit source]

Das spätmittelalterliche Taufbecken der St. Nicolai Kirche

Die St. Nicolai Kirche ist im Besitz eines alten Taufbeckens aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Dabei handelt es sich um einen massiven Bronzeguss, gefertigt im Jahr 1311. Ursprünglich stand es in der St. Cyriakus-Kirche am Lüneburger Kalkberg, welche jedoch 1639 abgerissen wurde. So befindet sich das Taufbecken seit 1651 unter den Schätzen von St. Nicolai und ist im Binnenchor ausgestellt.

Gestühl[edit | edit source]

Das Gestühl im Binnenchor besteht aus vier Viersitzen, stammt aus dem Jahr 1860 und wird von Gestühls Wangen aus dem 15. Jahrhundert flankiert. Diese Gestühls Wangen sind mit geschnitzten Darstellungen des Kirchenpatrons, dem Bischofs Nikolaus auf der linken und der heiligen Maria mit ihrem Kind auf der rechten Seite verziert.

Heiligen-Altar[edit | edit source]

Der Heiligen-Altar entstammt ursprünglich dem Kloster Heiligental, welches allerdings 1530 geschlossen wurde. Dieser gotische Doppelflügelaltar wurde bis 1861 als Hauptaltar von St. Nicolai genutzt. Doch im Laufe der Zeit wurde er in Einzelstücke zerlegt und befindet sich nun in den drei Kranzkapellen im Chorumgang.

Parament-Sammlung[edit | edit source]

St. Nicolai besitzt eine Sammlung an Paramenten, aufwändig gearbeiteten Textilien, aus dem 15. Und 16. Jahrhundert. Darunter mehrere Kommunionsbanktücher, eine Korporalientasche und zwei Antependien.[4]

Kommunionsbanktücher[edit | edit source]

Zu dieser Sammlung zählen auch zwei Kommunionsbanktücher. Dabei handelt es sich um jeweils 7 m lange Leinentücher, verziert mit Seidenstickereien. Sie wurden bei der Kommunion auf der Bank ausgelegt und sollten verhindern, dass eine Hostie oder Teile davon zu Boden fielen. Selbst nach der Reformation im Jahr 1517 führte St. Nicolai einige Traditionen der katholischen Kirche weiter. So kamen die Tücher 10 Jahre nach der Reformation als Schenkungen in den Besitz der Kirche.

Das erste Tuch wurde St. Nicolai 1542 gespendet und zeigt Szenen aus der Abrahams-Geschichte. Aus Platzgründen kann es momentan nicht im Kirchenraum ausgestellt werden, ist aber über eine Multimedia-Station einsehbar.

Das zweite Tuch bildet Frauen in Medaillons aus Blättern und Früchten ab. Die Wappenschilde dieses Tuches sind nicht ausgefüllt, sodass kein Rückschluss auf seine ursprünglichen Besitzer möglich ist.

Allerdings enden an einem gewissen Punkt die Seidenstickereien und es kommen die Vorzeichnungen der Arbeit im Stil der Cranach-Schule zu Vorschein, weshalb der Ursprung dieses Tuches im frühen 16. Jahrhundert vermutet wird. Dieses Tuch ist, anders als das Abrahams-Tuch, Teil einer Ausstellung und kann in der St. Nicolai-Kirche betrachtet werden.

Beide Tücher sind außerdem gut erhaltene Beispiele für die Mode des mittelalterlichen Adels und des Patriarchats.

Korporalientasche[edit | edit source]

Die St. Nicolai-Kirche ist im Besitz einer Korporalientasche aus dem15. Jahrhundert. Diese Taschen dienten der Aufbewahrung sogenannter "Korporale", feinen Leinentüchern, welche auf dem Altar unter Kelch und Patene ausgelegt wurden. Aufgrund ihrer Nähe zum Fleisch (Brot) und Blut (Wein) Christi sprach man ihnen eine gewisse Heiligkeit zu. 1532 besaß St. Nicolai eine Sammlung von 25 Korporalientaschen für insgesamt 18 Altäre, welche jedoch im Laufe der Zeit verloren gingen. Die einzig erhaltene Korporalientasche zeigt eine Szene mit Christus und dem ungläubigen Thomas. Die modellierte Masse ist aus Leinenfäden gefertigt, die Nasen bestehen aus geschnitztem Holz, Haare und Finger wurden aus, mit Seide umwickeltem Draht hergestellt. Teilweise ist die Tasche mit Goldbrokat verziert und das Gewand des Thomas ist mit Flussperlen gesäumt.

Die Tasche ziert das Wappen der Lüneburger Patrizierfamilie Garlop, welche sie St. Nicolai stiftete. Es wird vermutet, dass der Ursprung der Tasche im 15. Jahrhundert liegt.

Antependien[edit | edit source]

Zusätzlich ist die Kirche im Besitz zweier, sogenannter "Antependien". Dabei handelt es sich um stark verzierte Vorhänge aus Stoff.

Das erste dieser Antependien wurde aus einem Chormantel umgearbeitet. Der Seidenbrokat ist mit Goldfäden durchzogen und wurde vermutlich im Italien des 15. Jahrhundert gefertigt.

Es zeigt ein eingewebtes Granatapfel-Muster mit Lebensbäumen und Tierpaaren. Ein Längs- und 3 Querstreifen unterteilen das Antependium, weshalb vermutet wird, dass es ursprünglich aus 3 verschiedenen Einzelteilen zusammengesetzt wurde.

Das zweite Antependium stammt aus dem 16. Jahrhundert. Es zeigt 10 Bildfelder in doppelter Reihung, welche Szenen aus dem alten und neuen Testament abbilden, gefertigt aus Applikationen und Stickereien.

In der oberen Reihe werden die Erschaffung des Menschen, der Sündenfall von Adam und Eva, die Vertreibung des Menschen aus dem Paradies, sowie das Lamm Gottes mit einer Siegesfahne abgebildet. Die untere Reihe zeigt ebenfalls biblische Szenen: Die Jungfrau mit dem Einhorn, die Verkündung, die Heimsuchung, die Geburt Christi und seine Auferstehung.

Das "Weltenrichter"-Fenster im Chor

Fenster[edit | edit source]

St. Nicolai verfügt über eine Reihe aufwändig gearbeiteter Fenster. Doch 5 kunstvolle Buntglasfenster stechen beim Besuch der Kirche besonders hervor.

Hoch oben im Chor ist das Motiv von Jesus Christus, dem "Weltenrichter" zu sehen. Es wurde um 1900 gefertigt.

Hinter dem Altar, im Chorumgang findet man ein weiteres Fenster aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Es ist ein sogenanntes "Wurzel-Jesse"-Fenster und stellt den Stammbaum Jesu dar.

Im Nordschiff ist das sogenannte "Brauerfenster" zu sehen. Es wurde St. Nicolai vom Lüneburger Brauerkollegium gestiftet.

Das Fenster im Südschiff der Kirche wird auch als "Gewandschneider-Fenster" bezeichnet. Es bildet Johannes den Seher ab und wurde St. Nicolai von der Schneiderinnung gestiftet. Daneben ist ein Fenster mit verschiedenen Familienwappen zu sehen.

In der äußeren Kranzkapelle sind zwei Fenster nach Entwürfen des Künstlers Johannes Schreiter zu sehen. Beide wurden um 1987 eingeweiht. Das Gethsemane-Fenster gibt in Symbolsprache die biblische Geschichte des betenden Jesus am Ölberg wieder. Das Golgatha-Fenster dagegen interpretiert die Kreuzigung Jesu und versucht, das Blut, welches aus seinen Wunden strömte, darzustellen.

Quellen[edit | edit source]

  1. 1,0 1,1 Website, der St. Nicolai Kirche.
  2. Geschichte von St. Nicolai, Link zur Kirchenwebsite.
  3. 3,0 3,1 3,2 Turm und Glocken, Link zur Kirchenwebsite.
  4. Paramentausstellungen, Link zur Website der Kirche.