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Lüneburger Erbfolgekrieg

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Das Wappen des Fürstentums Lüneburg

Bei dem Lüneburger Erbfolgekrieg handelte es sich um einen 1370 ausgebrochenen Konflikt um die Erbfolge in Lüneburg. Das damalige Fürstentum befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Hand des Welfen Wilhelm II. von Lüneburg, welcher ohne männliche Nachkommen starb. Nach der welfischen Erbschaftsregelung wäre Magnus II. Torquatus, Herzog von Braunschweig und Wilhelms Neffe dritten Grades, Nachfolger geworden, was auch dem Wunsch von Wilhelm II. entsprach. Da es sich bei dem Fürstentum Lüneburg um ein Lehen des Kaisers handelte, entschied Kaiser Karl IV, dass dieses nach dem Tod von Wilhelm II. an das Reich zurückgefallen war. Stattdessen belehnte er Albrecht von Sachsen-Wittenberg und seine Onkel Wenzel und Rudolf, aus dem rivalisierenden Geschlecht der Askanier.

Der daraus folgende Krieg zwischen den Welfen und den Askaniern dauerte mit wenigen Unterbrechungen 18 Jahre. 1389 stiftete ein ausgehandelter Erbverbrüderungsvertrag Frieden und sicherte den Welfen endgültig das Fürstentum.

Lüneburger Erbfolgekrieg[edit | edit source]

Vorgeschichte des Fürstentums Lüneburg[edit | edit source]

1235 verlieh Kaiser Friedrich II. das neu gegründete Herzogtum Braunschweig-Lüneburg an den Welfen Otto (das Kind). 1269 schlossen seine zu dem Zeitpunkt regierenden Enkelsöhne einen Vertrag, welcher die Teilung des Herzogtums in die beiden Fürstentümer Braunschweig und Lüneburg beschloss. Trotz der Teilung gehörten beide Fürstentümer noch dem Herzogtum an, damit das Erbrecht der Welfen erhalten blieb. Dieses besagte, dass wenn eine Welfenlinie ausstirbt, eine andere Welfenlinie das Erbe antreten könne. So sollte verhindert werden, dass das Lehen ans Reich zurückfällt.[1]

Vorgeschichte des Erbfolgekriegs[edit | edit source]

Das Fürstentum Lüneburg befand sich von 1277 bis 1330 unter der Führung des Welfen Otto II. (der Strenge), Herzog zu Braunschweig und Lüneburg. 1315 beschloss er, dass nach seinem Tod das Fürstentum geteilt werden sollte, damit seine Söhne Otto III. und Wilhelm II. beide über je einen Teil herrschen könnten. Diese Regelung missachtend, teilten sich die Söhne Otto III. und Wilhelm II. die Herrschaft über das ungeteilte Fürstentum Lüneburg. Da der einzige Sohn des Otto III. bereits im Kindesalter starb, hinterließ er nur zwei Töchtern und damit keine erbberechtigten Kinder. Somit führte Wilhelm II. die Regentschaft allein fort.[2].

Personenkonstellation zu Beginn des Lüneburger Erbfolgekriegs (1369)

Auch Wilhelm II. zeugte zwei Töchter und damit keine erbberechtigten Nachkommen. Da die Ältere bereits verheiratet war, arrangierte er 1355 die Ehe seiner jüngeren Tochter Mathilde mit ihrem Cousin Ludwig, dem Thronfolger des Fürstentums Braunschweig. Mit der Benennung seines Nachfolgers wollte er das geteilte Herzogtum wieder vereinen und gleichzeitig einen eigenen Nachkommen an die Herrschaft bringen. Bevor es dazu kam, verstarb Ludwig im Jahr 1367. Daraufhin wählte Wilhelm II. den Bruder von Ludwig, Magnus II. Torquatus, zu seinem Mitregenten. Dieser war als sein Neffe dritten Grades letzter männlicher Erbe dieser Welfenlinie und damit ohnehin nach den welfischen Erbschaftsregelungen erbberechtigt. Kaiser Karl IV betrachtete das Reichslehen der Welfen jedoch als ans Reich zurückgefallen und sprach die Eventualbelehnung für Albrecht von Sachsen-Wittenberg und seine Onkel Wenzel und Rudolf aus. Albrecht war der Sohn von Elisabeth, Wilhelms erster Tochter, und Otto von Sachsen-Wittenberg, wodurch er dem rivalisierendem Geschlecht der Askanier angehörte. [3]

Vom Tode Wilhelm II. bis zur Ursulanacht[edit | edit source]

Kurz vor seinem Tod am 23. November 1369 übergab Wilhelm II. das Fürstentum Lüneburg an seinen selbst erwählten Nachfolger Magnus II. Torquatus. Jener befand sich zu diesem Zeitpunkt auf der dänischen Seite im Krieg gegen die hansischen Seestädte Rostock, Lübeck, Wismar und Stralsund, zu welchen die Stadt Lüneburg aufgrund ihrer Hansemitgliedschaft ein enges Bündnis pflegte. Im Zuge des Krieges beschlagnahmte der Welfe Lüneburgs Salinenrechte, um daraus eigenen Gewinn zu ziehen. Er nahm der Stadt weitere Privilegien und verstärkte die Burg auf dem Kalkberg sowie die Festungsanlagen. Um von diesem Stützpunkt freies Schussfeld auf die Stadt zu haben, riss er Teile der Klosterkirche St. Michaelis ein. 1370 gelang es den Bürgern Lüneburgs jedoch, die Burg mit einer List wieder einzunehmen und zu halten.

Kaiser Karl IV hatte Lüneburg mehrfach aufgerufen, den Askaniern den Huldigungseid auszusprechen. Erst unter Androhung hoher Strafen und auf gerichtliche Gutachten gestützt, kam die Stadt im Januar 1371 seinen Forderungen nach. Dafür wurden umfassende Privilegien gewährt, darunter die Gerichtshoheit, Selbstverwaltungsrecht der Saline und die Münzhoheit. Ebenso durften die Bürger der Salzstadt die eigens eingenommene Burg schleifen und erhielten die Burgmannensiedlung am Fuße des Berges sowie den Kalkberg selbst. Im Zuge dessen wurde auch die Klosterkirche abgetragen und erhielt einen neuen Platz innerhalb der Stadtmauern, wo die St. Michaelis Kirche erneut aufgebaut wurde. Neben Lüneburg hatte auch die Stadt Hannover ihren Huldigungseid geleistet und zusammen mit den Herren von Mandelsloh die Wittenberger unterstützt. Dem Gegenüber stand Magnus II. Torquatus mit Unterstützung vieler Kleinstädte und einem Großteil des Lüneburger Adels. [4]

In der Ursulanacht, der Nacht vom 20. auf den 21. Oktober 1371, versuchte Magnus die Stadt Lüneburg einzunehmen. Zwar gelang der 700 Mann starken Truppe des Herzogs der Einfall in die Stadt, doch verloren seine Ritter gegen die Bürgerwehr. Das Gefolge des Herzogs, durch Verhandlungen und Verzögerungstaktik hingehalten, pausierte den Angriff, bis die Bürger und Söldner Lüneburgs gerüstet, den Gegner zwischen den Häusern der Straßen bekämpfte und zur Kapitulation zwang.

Friedensverhandlungen[edit | edit source]

In dem Versuch, weitere Schlachten zu verhindern, arrangierte Kaiser Karl IV 1373 ein Treffen zur Vermittlung zwischen den Wittenbergern und den Welfen. Dieses scheiterte an Magnus Abwesenheit. Der Kaiser erneuerte die Reichsacht gegen den Welfen, doch die Angriffe wurden fortgesetzt. Noch im selben Jahr wurde Magnus nahe Hannover, bei Leveste am Deister, im Kampf getötet. [4]

Dieser Vorfall ermöglichte die Sühne von Hannover; einen Vergleich zwischen der Witwe von Magnus II. und Albrecht mit seinem Onkel Wenzel. Ein Vertrag regelte, dass die Regierung des Fürstentums zukünftig von den Welfen und den Askaniern abwechselnd erfolgen sollte und die Stände beiden Adelsgeschlechtern gleichermaßen zu huldigen haben. Um dieses Bündnis zu festigen, heiratete Albrecht die Witwe des Magnus, Katharina. Die beiden ältesten Söhne von Magnus und Katharina, Friedrich und Bernhard, vermählten sich mit zwei Töchtern von Wenzel. Trotzdem blieben Raubrittertum und Belagerungen nicht aus. Am 16. April 1385 befand sich Albrecht von Wittenberg-Lüneburg auf der Burg Ricklingen und wurde im Zuge eines Angriffes durch das Geschoss einer Blide schwer verwundet. Ohne männliche Nachkommen erlag er am 28. Juni desselben Jahres seinen Verletzungen. Sein Onkel Wenzel setzte die Herrschaft fort und ernannte seinen Schwiegersohn Bernhard zum Mitregenten. Während Bernhards älterer Bruder Friedrich das Fürstentum Braunschweig führte, war der jüngere Bruder Heinrich an keiner Herrschaft beteiligt. Gemeinsam mit seiner Mutter und seinem Bruder Friedrich von Braunschweig, ging Heinrich daraufhin weiter gegen die Askanier vor.[5].

Die Schlacht von Winsen an der Aller[edit | edit source]

In der Schlacht von Winsen/Aller gewann der Welfe Heinrich I. über die Askanier und die Stadt Lüneburg

Um den Krieg endgültig zu beenden, plante Wenzel einen Angriff auf Celle, um den dort befindlichen Heinrich zu unterwerfen. Da Bernhard sich zu diesem Zeitpunkt in Gefangenschaft einer befeindeten Adelsfamilie befand, versammelte Wenzel das Heer ohne dessen Hilfe, erhielt jedoch von der Stadt Lüneburg Unterstützung. Während der Belagerung erkrankte Wenzel schwer und starb am 15. Mai 1388 mutmaßlich an einer Vergiftung. Nichtsdestotrotz setze Lüneburg die Angriffsvorbereitungen unter dem Beistand des Bischofs von Minden und dem Grafen von Schaumburg fort, bevor es am 28. Mai 1388 zur Schlacht in Winsen an der Aller kam.

Lüneburg wurde von den Truppen der Welfen besiegt und nach dem hannoverschen Vertrag von 1374 stand das Fürstentum nach dem Tod des Askaniers Wenzel wieder den Welfen zu. Heinrich regierte daraufhin gemeinsam mit seinem mittlerweile aus der Gefangenschaft freigekauftem Bruder Bernhard, während Friedrich im Besitz des Fürstentums Braunschweig blieb. Seitdem führen die Herzöge der Fürstentümer Lüneburg und Braunschweig den Titel Herzog zu Braunschweig-Lüneburg. [6]. Der 1374 geschlossene Vertrag von Hannover wurde 1389 durch einen neuen Vertrag ersetzt, nach welchem das Fürstentum endgültig dem Welfenhaus überlassen wurde.

Personenkonstellation nach Ende des Lüneburger Erbfolgekriegs. (1388)


Nachwirkungen[edit | edit source]

Nach dem Erbverbrüderungsvertrag von 1389 fiel das Fürstentum Lüneburg durch den Verzicht der Askanier endgültig in den Besitz der Welfen. Der Krieg hinterließ beide Seiten jedoch hoch verschuldet und führte zur Verpfändung einer Vielzahl von Burgen und Gerichtsbarkeiten, um sich die Unterstützung des niederen Adels zu sichern. Die Stadt Lüneburg profitierte durch die umfassenden Privilegien und der Schleifung der Burg auf dem Kalkberg von neuer Unabhängigkeit. Die finanziellen Probleme der Welfen führten 1392 zum Abschluss der Lüneburger Sate, einem Herrschaftsvertrag, in denen die Landesherren den Ständen Privilegien als Pfand für einen Kredit überließen.[7].

Weblinks[edit | edit source]

Lüneplaner: Die Lüneburger Sagen-Tour

Einzelnachweise[edit | edit source]

  1. Fuchs, Ralf-Peter, Reitemeier, Arndt, 2018, Handbuch Landesgeschichte, Werner Freitag, Michael Kißener, Christine Reinle, Sabine Ullmann Werner Freitag, Michael Kißener, Christine Reinle, Sabine Ullmann[Hrsg.] De Gruyter, Oldenburg S.596
  2. Schubert, Ernst Schubert, 1997, Geschichte Niedersachsens. Band 2. Teil 1. Politik, Verfassung, Wirtschaft vom 9. bis zum ausgehenden 15. Jahrhundert., Verlag Hanschke Buchhandlung, Hannover
  3. Pischke, Gudrun, 1998, „Die Welfen, Die Welfen - Vom süddeutschen Geschlecht zu norddeutschen Landesherren“, in: Landesgeschichtliche Aspekte ihrer Herrschaft, Ay, Karl-Ludwig, Maier, Lorenz, Jahn, Joachim [Hrsg.], UVK Verlag, Konstanz, S.215
  4. 4,0 4,1 Hergemöller, Bernd-Ulrich, "Magnus II." in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 662-663 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd132647109.html#ndbcontent
  5. Schubert, Ernst Schubert, 1997, Geschichte Niedersachsens. Band 2. Teil 1. Politik, Verfassung, Wirtschaft vom 9. bis zum ausgehenden 15. Jahrhundert., Verlag Hanschke Buchhandlung, Hannover
  6. Pischke, Gudrun, 1998, Die Welfen, Landesgeschichtliche Aspekte ihrer Herrschaft, Ay, Karl-Ludwig, Maier, Lorenz, Jahn, Joachim [Hrsg.], UVK Verlag, Konstanz, S.216
  7. Schubert, Ernst Schubert, 1997, Geschichte Niedersachsens. Band 2. Teil 1. Politik, Verfassung, Wirtschaft vom 9. bis zum ausgehenden 15. Jahrhundert., Verlag Hanschke Buchhandlung, Hannover