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Befestigung der Stadt Lüneburg

From Lünepedia

Lüneburger Stadtgrundriss mit Befestigung 1793

Die Stadt Lüneburg gelangte schon früh als florierende Handels- und Hansestadt durch den Abbau von Salz zu Reichtum. Zum Schutz dieses Reichtums sicherten die Lüneburger*innen die Stadt durch verschiedene Befestigungsmaßnahmen. Einige Teile der ehemaligen Befestigungsanlage sind bis heute im Stadtbild erhalten.

Geschichte[edit | edit source]

Die Stadt Lüneburg schützte sich schon früh vor Übergriffen vor außen. Die erste Stadtbefestigung wurde 1254 erwähnt; dabei handelte es sich um einen Wall mit Palisaden. Zusätzlich wurden Gräben angelegt. Dazu zählen auch der heutige Lösegraben und der Liebesgrund, welcher als Trockengraben angelegt wurde, um das im Erdreich befindliche Salz zu schützen.

Diese frühe Befestigung umfasste eine Fläche von ca. 84 ha. Von 1274 bis 1365 wurden dann acht Stadttore angelegt, die den Zugang zur Stadt ermöglichten. Ende des 14. Jahrhunderts errichtete die Stadt einen ca. 60 m hoher Wehrturm, der Springintgutturm, welcher nach dem Bürgermeister Johann Springintgut benannt ist. Dieser wurde aufgrund einer Auseinandersetzung zwischen Bürger*innen und dem Lüneburger Rat in dem Turm gefangen gehalten und verstarb dort. Es folgten in der 2. Hälfte des 14. Jahrhundert und im 15. Jahrhundert eine Verstärkung der Stadtbefestigung durch Wälle und weitere Türme. Außerdem wurde der Hafen durch einen im Wasser verankerten Baum gesichert, der mit Ketten an einem Pfahlwerk befestigt war.

Innerhalb der Stadt wurden an den Straßenausgängen Kettensperren und Schlagbäume angebracht. Diese Sperren wurden im 14. Jahrhundert errichtet. Sie schützten die Straßen vor feindlicher Reiterei. Zwischen 1397 und 1484 wurde dann das Palisaden-und Wallsystem der Stadt durch eine Landwehr ersetzt. Die Durchlässe der Landwehr wurden durch Burgen gesichert, wie im Norden die Papenburg und Westen die Hasenburg. Diese Befestigung hatte Bestand bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts und wurde dann an einigen Stellen ausgebaut.

Im 18. Jahrhundert begann ein sukzessiver Abbau der Stadtbefestigung. So wurde das Altenbrückertor im Jahre 1764 abgerissen und bis zum frühen 19. Jahrhundert ebenfalls die restlichen Stadttore.

Sichtbare Relikte der Stadtbefestigung[edit | edit source]

Einige Teile der Befestigungsanlage sind noch heute im Stadtbild auszumachen. Dazu gehören an Hauswänden befestigte Ösen. An ihnen wurden Ketten eingehängt die dann über die Straße gespannt wurden. So konnte feindliche Reiterei nicht ungehindert durch Lüneburgs Straßen preschen. Ein Beispiel für solch eine Öse findet sich am Johann-Sebastian-Bach-Platz im Bereich der Görgesstraße.

Steht man vor der Ritterakademie in der Straße am Graalwall, sieht man einen gepflasterten runden Bereich inmitten der ansonsten asphaltierten Straße. Dieser Kreis ist ein Relikt des Springintgutturms, welcher mit 60 Metern der höchste Turm der Stadt war. Er befand sich an dieser Stelle als Teil der Befestigungseinheit des Graalwalls und wurde außerdem als Stadtgefängnis genutzt. Der Turm verlor im 16. Jahrhundert an Bedeutung und wurde daher 1791 abgetragen.

Auch noch im Stadtbild auszumachen ist die sechseckige Bastion, ein Anbau an die Befestigungsanlage, der 1644 errichtet wurde. Sie befindet sich in der Bastionsstraße und ist heute mit Linden bewachsen. Einen Teil der ehemaligen Befestigungsanlage bildete ebenfalls die Illmenau als natürliche östliche Barriere. Auch der heute noch zu auszumachende Lösegraben entlang der Willy-Brandt-Straße gehörte zur östlichen Befestigung der Stadt. Dieser ist jedoch also Folge von Baumaßnahmen nicht mehr in originaler Form erhalten.

Immer noch prägend für das Stadtbild ist die Bardowicker Mauer mit dem dahinter liegenden Liebesgrund. Die noch erhaltene ca. 250 Meter lange Bardowicker Mauer bildete lange Zeit die äußere Stadtmauer. Inzwischen ist sie ein Wall, auf dem man spazieren gehen kann. Zu Füßen der Bardowicker Mauer liegt der Liebesgrund. Einst der Stadtgraben, der die Stadt vor Eindringlingen schütze, ist der Liebesgrund seit 1910/11 ein Park.

Stadttore[edit | edit source]

Den Zugang zur Stadt ermöglichten acht Tore die zwischen 1274 und 1365 errichtet wurden. Die folgende Liste enthält die Namen der Tore, sowie das Jahr deren Errichtung.

  • 1274 Bardowicker Tor
  • 1283 Grimmtor
  • 1288 Rote Tor
  • 1313 Tor zwischen Kalkberg und Bardowicker Tor
  • 1328 Altenbrücker Tor
  • 1346 Lüner Tor
  • 1350 Sülztor
  • 1365 Neue Tor

Belege und Quellen[edit | edit source]

  • Edgar Ring, Die Befestigung der Stadt Lüneburg. In: Lübecker Kolloquium zur Stadtarchäologie im Hanseraum VII, Lübeck 2010, S. 479-492
  • Martin Pries, Lüneburg ... auf neuen Wegen.; Trägerverein Wasserturm e. V.; Lüneburg 1999
  • Marieke Tödter, Lüneburger Stadtbefestigung. In Lüneplaner; aufgerufen am 22.02.2021