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Flugplatz Lüneburg

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Der Flugplatz Lüneburg ist ein Sonderlandeplatz am östlichen Stadtrand der Hansestadt Lüneburg. Er liegt im Stadtteil Neu Hagen in unmittelbarer Nähe dichter Wohnbebauung und der Theodor-Körner-Kaserne. Betreiber ist der Luftsportverein Lüneburg e. V. (LVL), der den Platz vor allem für Segelflug, Motorsegler-, Ultraleicht- und Motorflug nutzt. Zugelassen sind Flugzeuge bis 2 t Abfluggewicht, Hubschrauber bis 5,7 t; die Grasbahn trägt die Kennung 07/25 und ist rund 980 m lang.

Der Flugplatz ist per Bus (Linie 5010) an die Innenstadt angebunden und dient neben dem Vereinssport auch Rundflügen, Flugausbildung und dem Katastrophenschutz.

Lage und Infrastruktur

Der etwa 20 ha große Flugplatz befindet sich östlich der Innenstadt zwischen den Wohngebieten Neu Hagen und Kaltenmoor sowie Gewerbeflächen am Stadtrand.

Start- und Landebahn: Graspiste 07/25, ca. 980 m × 30 m

Nutzung:

Motorflugzeuge, Motorsegler, Ultraleichtflugzeuge und Segelflugzeuge (bis 2 t)

Hubschrauber bis 5,7 t

Verkehrsanbindung:

Stadtbuslinie 5010; Zufahrt über Neu-Hagen und das umliegende Gewerbegebiet

Ein Teil der Fläche wird als ökologische Ausgleichsfläche genutzt, u. a. mit Maßnahmen zugunsten der Haubenlerche und weiterer Offenlandarten.

Geschichte

Militärische Nutzung

Vor seiner zivilen Nutzung war das Gelände ein Fliegerhorst der Luftwaffe. Zwischen 1938 und 1945 waren hier verschiedene Kampf-, Nachtjagd- und Jagdverbände stationiert. Mehrere alliierte Luftangriffe beschädigten den Platz, setzten ihn aber nicht dauerhaft außer Betrieb.

Nach der Eroberung Lüneburgs 1945 nutzten die alliierten Streitkräfte das Gelände weiter, u. a. unter der Bezeichnung „RAF Lüneburg“. Von hier aus starteten unter anderem Aufklärungsverbände und Hilfsflüge.

Übergang in zivile Hand

Nach dem Krieg ging der Platz zunächst in Bundesbesitz über, später in den Besitz der Stadt Lüneburg, die das Areal 1986 übernahm.

Der Luftsportverein Lüneburg wurde 1950 gegründet und etablierte den Platz in den folgenden Jahrzehnten als Zentrum des lokalen Luftsports. Die formale Genehmigung als Sonderlandeplatz erfolgte Ende der 1990er-Jahre.

In den 1990er Jahren war der Flugplatz außerdem Veranstaltungsort großer Open-Air-Konzerte („Rock over Germany“), bei denen internationale Künstler wie Tina Turner, Prince, Joe Cocker und Rod Stewart auftraten.

Heutige Nutzung

Der Flugplatz wird heute vor allem durch den Luftsportverein Lüneburg e. V. mit über 140 Mitgliedern genutzt. Angeboten werden:

Segelflug- und Ultraleichtausbildung

Schnupperflüge und Rundflüge über Lüneburg und die Umgebung

Gastflüge für Besucher:innen

Vereins- und Flugplatzfeste

Zusätzlich ist auf dem Gelände eines der beiden Flugzeuge des niedersächsischen Feuerwehr-Flugdienstes stationiert, das u. a. zur Waldbrandfrüherkennung eingesetzt wird. Damit besitzt der Flugplatz eine Funktion im Katastrophenschutz des Landes.

Des weiteren besuchen regelmäßig Touristen und Geschäftsleute Lüneburg unter Nutzung des Flugplatzes.

Mit der Stadt ist ein Pachtvertrag verbunden; aktuell zahlt der Verein eine Jahrespacht von knapp unter 20.000 Euro an die Hansestadt Lüneburg. Der LVL ist damit der einzige Sportverein in der Stadt, der für seine Anlage Pacht bezahlen muss.

Beim jährlichen Flugplatzfest besuchen mehrere tausend Menschen den Platz.

Konflikte: Lärm, Sicherheit und Stadtentwicklung

Seit den 2000er-Jahren ist der Flugplatz wiederholt Gegenstand politischer Diskussionen und Bürgerproteste. Kritisiert werden vor allem:

Fluglärm in den angrenzenden Wohngebieten Neu Hagen und Kaltenmoor

Sicherheitsbedenken aufgrund der Lage im Stadtgebiet mit Wohnhäusern, Schulen, Kitas sowie der benachbarten Kaserne

Einzelne Flugunfälle im Umfeld des Platzes, die Ängste in der Nachbarschaft verstärken

In Neu Hagen bildete sich eine kleine Bürgerinitiative „Lüneburg gegen Fluglärm“, die vor allem von Anwohner:innen aus Neu Hagen und Kaltenmoor getragen wird und eine Beendigung des Flugbetriebs fordert.

Die Stadtverwaltung argumentierte über Jahre hinweg, dass das Areal besser für Gewerbeansiedlungen genutzt werden solle und verwies neben wirtschaftlichen Chancen ebenfalls auf Lärmschutz- und Sicherheitsaspekte.

Demgegenüber betonen der Luftsportverein und Unterstützer:innen des Flugplatzes:

die Bedeutung des Platzes für Jugendarbeit und ehrenamtliches Engagement,

die Rolle im Katastrophenschutz (Feuerwehr-Flugdienst),

den Freizeit- und Tourismuswert sowie

die ökologische Funktion der Freifläche als Lebensraum für seltene Arten und Frischluftschneise.

Rückhalt in der Bevölkerung und Bürgerentscheid 2020

Weg zum Bürgerentscheid

2019 beschloss der Rat der Hansestadt Lüneburg, den Pachtvertrag mit dem Luftsportverein auslaufen zu lassen, um auf dem Gelände perspektivisch ein Gewerbegebiet zu entwickeln.

Der Luftsportverein initiierte daraufhin ein Bürgerbegehren mit dem Ziel, einen Bürgerentscheid über die Zukunft des Platzes zu erzwingen. Innerhalb kurzer Zeit wurden deutlich mehr Unterschriften gesammelt als nötig – rund 11.700 statt der geforderten 5.923.

Der Verwaltungsausschuss der Stadt stellte im März 2020 die rechtliche Zulässigkeit des Bürgerbegehrens fest.

Abstimmungsfrage und Ergebnis

Am 14. Juni 2020 fand der erste Bürgerentscheid in der Geschichte der Hansestadt Lüneburg statt. Die Abstimmungsfrage lautete:

„Soll die Hansestadt Lüneburg mit dem Luftsportverein Lüneburg e. V. einen Vertrag über den Weiterbetrieb des Flugplatzes Lüneburg über den 31.10.2020 hinaus für 15 Jahre abschließen?“

Das Ergebnis fiel sehr deutlich aus:

Ja-Stimmen: 17.593 (82,25 %)

Nein-Stimmen: 3.797 (17,75 %)

Wahlbeteiligung: 35,68 % bei 60.315 Stimmberechtigten

Damit war das Quorum deutlich erreicht, der Bürgerentscheid verbindlich, und die Stadt wurde verpflichtet, den Weiterbetrieb für weitere 15 Jahre zu ermöglichen.

Interpretation des Rückhalts

Das Abstimmungsergebnis zeigt einen ausgeprägten Rückhalt für den Flugplatz in der gesamten Stadtbevölkerung – trotz teils scharfer Kritik aus den unmittelbar betroffenen Stadtteilen.

Stadtweit votierte eine große Mehrheit für den Erhalt des Platzes.

In vielen Abstimmungsbezirken lag der Ja-Anteil um oder über 80 %.


Gleichzeitig blieb die Beteiligung mit gut einem Drittel der Wahlberechtigten moderat, was zeigt, dass das Thema zwar polarisiert, aber nicht die gesamte Stadt gleichermaßen mobilisiert hat.

In der öffentlichen Debatte wurde der Ausgang vielfach als Signal verstanden, dass die Mehrheit der Lüneburger:innen den Flugplatz als Teil der städtischen Infrastruktur und Freizeitlandschaft erhalten möchte – auch wenn in der direkten Nachbarschaft Lärm- und Sicherheitsbedenken bestehen bleiben.

Nach dem Bürgerentscheid musste ein neuer Pachtvertrag verhandelt werden. Die Stadt stellte dabei klar, dass eine kostenlose Nutzung nicht in Frage kommt und die Pacht erhöht werden könne. Darüber wurde öffentlich kontrovers diskutiert und wiederholt über die finanzielle Lage des Vereins spekuliert. Der Verein wies Gerüchte über eine existenzbedrohende Situation zurück.

Bedeutung für Lüneburg

Der Flugplatz Lüneburg erfüllt mehrere Funktionen für Stadt und Region:

Luftsport und Jugendarbeit:

Ausbildung von Segel- und Ultraleichtpilot:innen

Engagement von Jugendlichen und Ehrenamtlichen im Luftsportverein

Infrastruktur und Katastrophenschutz:

Stationierung eines Feuerwehr-Flugdienst-Flugzeugs

Möglichkeit für Rettungs- und Beobachtungsflüge

Anbindung für Geschäftsleute

Freizeit und Tourismus:

Rundflüge und Flugplatzfeste als Ausflugsziel

Einbindung in das touristische Profil der Region Lüneburger Heide

Ökologie und Stadtklima:

Offenlandhabitat für seltene Tier- und Pflanzenarten

Funktion als Frischluftschneise am östlichen Stadtrand

Gleichzeitig bleibt der Platz ein Konfliktpunkt im Spannungsfeld zwischen Stadtentwicklung (Gewerbeflächen, Wohnungsbau), Umwelt- und Lärmschutz sowie dem Wunsch vieler Bürger:innen, bestehende Freiräume und Vereinskultur zu erhalten.

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